WOHLSTAND (Afterparty)

Ein nomadisches Projekt auf der Suche

Wohlstand (Afterparty) ist ein Projekt mit vielen Auseinandersetzungen. Durch die Beleuchtung der Thematiken aus verschiedensten Fachrichtungen, ergibt sich ein kontinuierlicher Diskurs. Unter Anderem werden darin Gegensätze wie der Stillstand der Tradition und die Weiterentwicklung in der Technik verhandelt. Es werden Lücken gefüllt zwischen der Geschichte und der Zukunft. Urban-elitäres Kunstverständnis trifft auf ländliche Kunstromantisierung.

Änderungen vorbehalten
WOHLSTAND (Afterparty)
© WOHLSTAND (Afterparty)
Programmlinie
Mitwirkende

Wolfgang Müllegger und Georg Holzmann (Künstler)
Julia Müllegger, Uli Loskot (Kuratorinnen)
Michael Straberger (kaufmännische Projektleitung)

Eva Mair, Christina Jaritsch (Programmleitung Baukultur und Handwerker*innen)

Wann
2023 - 2024

Über das Projekt

Der Versuch einer teilweise chronologischen Aufarbeitung der Geschehnisse und Gedankengänge eines umfangreichen Projekts.

Wohlstand, da ist es, dieses seltsame Wort, welches auf der Zeitleiste der Menschheit unentwegt auftaucht. Das politische Versprechen, das Garant für ein glückliches Leben sein soll, doch gleichzeitig so subjektiv wie die Lieblingseissorte eines jeden Einzelnen ist. Eingefordert, zerpflückt und hinterfragt oder gar tot gesprochen.
Bedeutet der Wohlstand des einen im Umkehrschluss immer die Ausbeutung des anderen? Ist Postwohlstand vielleicht nur ein Euphemismus für Armut? Und was zum Teufel soll Wohlstand (Afterparty) denn eigentlich bedeuten?

Wenn die optimale Bezugsdynamik zwischen einer ursprünglichen Idee, dem starken Bedürfnis eben diese Idee auszuführen und schließlich der Möglichkeit jene in die Tat umzusetzen, gegeben ist, dann ist das ein gutes Zeichen für eine Wohlstandsgesellschaft. Fehlt eine der 3 Faktoren sieht es eher schlecht aus, vor allem wenn es um die Möglichkeiten geht.
Nehmen wir zum Beispiel die Idee und das Bedürfnis eine Skulptur zu bauen: Geschenkt.
Die Möglichkeit allerdings: Schwierig.
Es sei denn du lebst in einem der reichsten Länder der Welt, hast die richtige Hautfarbe und ein akzeptables Geschlecht. Dort wo ein Hamburger nur 1,40 € kostet. (ohne Pommes) gibt es sogar ein europaweites kulturelles Förderprogramm, das die Finanzierung gewährleistet, zumindest wenn du auf der Liste stehst.
Oder du willst als Pflegekraft in einem europäischen Nachbarland arbeiten, aber deine Möglichkeit zu reisen wird eingeschränkt, obwohl du Teil eines Staatenverbundes bist, der eben diese Freiheit auf seine Fahne heftet.
Als Radiomacher: in ist es die Medienfreiheit, die sicherstellt, dass deine Ideen nicht zweckentfremdet werden, um politische Ideale zu propagieren. Ideale die vermeintlich den eigenen Wohlstand garantieren sollen. Denn Wohlstand den muss man beschützen, so die Erzählung.
Schützen vor dem/der Migrant: in, die auf der Suche nach einem besseren Leben zwischen Hassparolen und Futterneid zerrieben wird.
Eine Skulptur aufzustellen, wird all das nicht verändern, aber das Privileg, das damit einhergeht, eine Skulptur bauen zu können, zu erkennen, ist zumindest ein Anfang. Denn was wäre, wenn…

…der Wohlstand neu besprochen werden würde, die letzten Sektkorken bei der Afterparty knallen und im Sonnenaufgang, der den neuen Tag ankündigt, das seltsame Wort Wohlstand ein bisschen weniger seltsam klänge.

2022 gründete sich auf Initiative des Geschwisterpaares Julia und Wolfgang Müllegger ein Kollektiv aus Handwerker: innen, Bildhauer: innen und Kulturarbeiter: innen.

Die Idee war es, handwerkliches Können mit zeitgenössischer künstlerischer Ausdruckskraft und relevanter Inhaltlicher Auseinandersetzung zu verschränken.

Wolfgang Müllegger ist Bildhauer, er baut aber auch traditionelle Boote, sogenannte Plätten, die als Transportmittel nicht nur historisch eine große Rolle in der Region Salzkammergut spielten:
Zum einen als pragmatisches Arbeitsgerät der Naufahrer, die den Export des Salzes ermöglichten und einen enormen Wohlstand für das Haus Habsburg bedeutete, zum anderen ist sie durch touristische Vermarktungsstrategien und ihren hohen Wiedererkennungswert untrennbar als ewiges Postkartensujet mit der Seenlandschaft Österreichs in das kollektive Gedächtnis eingebrannt.

Gemeinsam mit dem Wiener Künstler Georg Holzmann entwickelte Müllegger den Fiebertraum eines Plätten Bauers. Eine Skulptur, die in Bewegung ist, die sich von sich selbst und ihrer vermeintlichen Erscheinung loslösen will, aber immer wieder von ihr eingeholt wird und schließlich durch ihre Dekonstruktion im Stillstand verharrt und zum Platzhalter degradiert wird.
In den Werkstätten der Kammergut GmbH wurde an der Skulptur von November 2022 bis zum Sommer 2023 geplant und gebaut und im August erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.
Anfang September 2023 machen sich die Künstler auf den Weg. Die stark befahrene Wasserstraße der Donau entlang durch die Slowakei, Ungarn bis zum Bega Kanal, um dann gegen den Strom Richtung Timisoara in Rumänien zu rudern. Begleitet am Fahrrad durch die Künstlerin und Radiomacherin Uli Loskot sollte diese Recherchereise Inhalte ersammeln. Geräusche, Bilder, Gespräche und Begegnungen die aufgearbeitet als visuelle Installation und Audiohörbilder eine weitere Ebene abseits der künstlerischen Metaebenen anbieten können.
Die Konfrontationen mit den eigenen Vorurteilen und Privilegien, Ängsten und das vermeintliche Wissen um eben diese, sollten retrospektiv wohl die lehrreichsten, weil unplanbaren Erfahrungen dieser Unternehmung werden.

In der Hauptausstellung der Europäischen Kulturhauptstadt Bad Ischl Salzkammergut 2024 “sudhaus – kunst mit salz und wasser” in Bad Ischl werden nun die ungeschnittenen Videoufnahmen der Künstlerin und Radiomacherin Uli Loskot gezeigt. Ein zentrales Sitzmöbel, gebaut aus ausrangierten Plätten, findet sich als Referenz auf klassisches Wartehallen-Interieur im Ausstellungsraum wieder. Die schwimmenden Objekte der Dokumentation, werden im Frühjahr 2024 ihre statische Endform finden und als temporäre skulpturale Intervention im öffentlichen Raum in Bad Aussee ausgestellt.

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