Heidi Zednik

Heidi Zednik

Sie ist in Miami geboren, in der Schweiz und in Österreich aufgewachsen, hat in Gmunden die Schule begonnen, in Florida abgeschlossen und schließlich in North Carolina studiert – Heidi Zednik hatte bereits viele zuhause. Seit einigen Jahren lebt die Künstlerin wieder im Salzkammergut, in Altmünster.
Neben ihrer Kunst arbeitet sie auch in der Kunstwerkstatt in der Lebenshilfe Gmunden und ist Teil des Bidbook Teams der Bewerbungsinitiative „Salzkammergut Kulturhauptstadt Europas 2024“.

Du bist halb Österreicherin, halb US-Amerikanerin. Wie beschreibst du deinen US-amerikanischen Freund*innen das kulturelle Leben im Salzkammergut?

Ich würde sagen es ist sehr vielfältig – und ein bisschen kompliziert, denn es vermischen sich hier regionale mit nationalen und europäischen Geschichten. Es gibt hier sehr viel Tiefe. Dadurch, dass sich die Menschen hier im Allgemeinen kulturell sehr gut auskennen erfährt man ein anderes Niveau. Das beginnt bereits in der Schule, denn Kultur ist hier Teil vom Leben. In den USA gibt es Gegenden, die gleichen einem kulturellen Vakuum.

Was sind die größten Chancen, die mit dem Kulturhauptstadttitel verbunden sind?

Dass man uns Künstler*innen und Kulturschaffenden sieht. Dass man bei Kultur in Österreich nicht mehr nur an Großstädte, wie Wien oder Linz als „Cultural Centers“ denkt, sondern dass das Salzkammergut in den Fokus gebracht wird. Aber auch, dass die Diversität der vielen Künstler*innen die hier leben und schaffen gesehen wird.

Was ist die spezifische Rolle der Künstler*innen in einem regionalen Kulturentwicklungsprojekt wie der Kulturhauptstadtbewerbung?

Wir bringen eine komplett andere Perspektive auf fast jede Situation. Wir sehen Dinge, die andere vielleicht nicht sehen. Wir schätzen Dinge, die andere vielleicht total fad finden und verwerfen. Kreative Menschen können einen „Superfokus“ auf etwas geben, um es anders zu sehen und verstehen. Ich glaube als erwachsene Künstler*innen haben wir die Möglichkeit, Perspektiven neu zu sehen, so wie Kinder alles als „neu“ erleben, und aus dieser Spontanität unsere Welt zu präsentieren. Nicht, dass es dadurch simpel wird.

10 Jahre sind vergangen: Wie sieht das Salzkammergut 2034 nach dem Kulturhauptstadttitel für dich idealerweise aus?

Ich hoffe, dass die Professionalität von Kunst und Kultur hier wahrgenommen und genau so geschätzt wird, wie in Wien. Und dass man hier eine Chance hat, von Kulturarbeit zu leben. Anstatt den kleinen Enklaven, in die sich viele zurückziehen, gibt es dann eine große „Inclave“ Plattform für das ganze Salzkammergut. Dann entsteht eine gewisse Professionalität, die im besten Fall dazu führt, dass ich meine anderen Jobs irgendwann nicht mehr brauche (lacht). Kunst und Kultur sind dann der Beruf und das Talent bezahlt die Miete.

Wo liegen die Herausforderungen der regionalen Kulturarbeit?

Die größte Herausforderung ist, dass wir nicht die gesamte Region gut kennen, wie z.B. unsere eigene Traunsee Region. Die Gmundner*innen bleiben in Gmunden, die Altausseer*innen in Altaussee und die Ischler*innen in Ischl. Aktuell gibt es noch wenig Bewegung zwischen den Enklaven im Salzkammergut. Das erfordert Zeit und viel Arbeit. Gleichzeitig liegt in diesen neuen Verbindungen die große Chance dieses Projekts – to create the new salt – culture.