Lena Schartmüller

Lena Schartmüller

Lena Schartmüller ist in Altmünster aufgewachsen, wohnt aber seit 2012 in Wien wo sie an der Technischen Universität Raumplanung und Raumordnung studiert. Für ihre Diplomarbeit, die sich mit dem Teilen von Gewerbeflächen befasst, beschäftigt sie sich wieder stärker mit dem Salzkammergut.

Du bist Mitarbeiterin des Projekts imGrätzl.at, eine Plattform, die , vorrangig in Wien, leerstehende Flächen und Räume vermittelt. Was ist einzigartig an dem Projekt und fasziniert dich?
Kurz zu imGrätzl.at und was wir eigentlich tun: ImGrätzl.at macht als stadtteilbasierte Plattform das Besondere ums Eck sichtbar. Die Zielgruppe sind lokale Akteur*innen wie Selbstständige, Einzel- und Kleinstunternehmen. Mithilfe von kostenlosen, interaktiven Seiten können diese ihre digitale Sichtbarkeit erhöhen und z.B. Veranstaltungen und Angebote veröffentlichen. Zusätzlich dazu werden maßgeschneiderte Tools, wie der „Raumteiler“ (kostenlose Online-WG-Suche für Gewerbeflächen) oder das Mentoring-Programm „Unterstützerteam“, angeboten. Im Mittelpunkt stehen dabei immer Vernetzung, Austausch und das Miteinander – denn: Alleine sind wir gut, aber zusammen sind wir besser!

Bei imGrätzl.at bin ich in ein Thema eingestiegen, das auf den ersten Blick wenig mit Raumplanung zu tun hat. Relativ schnell wurde mir jedoch klar, dass das Werkeln von imGrätzl.at nicht nur direkten, positiven Einfluss auf das Leben der Menschen hat (was richtig schön ist), sondern auch auf den (Stadt-)Raum.

Vor allem beim „Raumteiler“ sehe ich da großes Potenzial: Er verbindet Menschen, die Raum suchen bzw. haben, und die Kosten für die/den Einzelne/n sinken. Dadurch wird Leerstand vorgebeugt, verhindert oder sogar aktiviert. Für viele Nutzer*innen eröffnet sich durch den „Raumteiler“ erst die Möglichkeit, eine Gewerbefläche anzumieten. Was bedeutet das für den Stadtraum? Das Angebot diversifiziert sich, der Stadtraum ist höher frequentiert und somit belebter. Es entsteht ein Netzwerk an Menschen, die im Grätzl tätig sind und sich engagieren. Es entsteht Leben in der Stadt. Das in der Realität zu beobachten und zu begleiten fasziniert mich wirklich.

Wie könnte man dieses Projekt auch im Salzkammergut umsetzen?

Da es imGrätzl.at derzeit nur als lokale Wiener Plattform gibt, bräuchte es eine technische Weiterentwicklung. Dabei entsteht die Plattform „welocally“, an die das Salzkammergut als erste Region angegliedert wird. Es sind somit die gleichen Funktionen, die für Wien entwickelt und optimiert wurden, für das Salzkammergut verfügbar.

Nicht nur bestehende Unternehmen und Selbstständige im Salzkammergut würden von der Sichtbarkeit, der Vernetzung und den angesprochenen Tools profitieren. Der größte Mehrwert ergibt sich für mich bei einer langfristigen und regionalen Betrachtung: ImGrätzl.at bzw. dann „welocally“ reagiert mit seinem Angebot auf einen Wandel in der Arbeitswelt, sowie auf die Ausdifferenzierung von Lebensentwürfen. Positioniert sich das Salzkammergut hier früh als Zukunftsregion, kann Problemen wie Landflucht, Brain Drain oder Ortskernsterben nachhaltig entgegengewirkt werden.

Wo siehst du Herausforderungen in der Raumplanung am Land, speziell im Salzkammergut?

Ganz gut zusammenfassen kann man einige Herausforderungen im ländlichen Raum womöglich mit dem Begriff Landflucht. Junge, Frauen, gut Ausgebildete – sie sind die klassischen „Wegziehenden“. Um diese Gruppe, zu der ich mich auch zähle, zurückzuholen bzw. da zu halten, braucht es Angebote hinsichtlich Arbeitsplätze, Mobilität, aber auch z.B. Kultur. Da muss der ländliche Raum über sich hinauswachsen: Einerseits braucht es kreative und kluge Lösungen, die die Zukunft nachhaltig sichern. Andererseits aber auch Politiker*innen, die über ihre Legislaturperiode hinaus planen und sich trauen, innovative Projekte zu stärken bzw. umzusetzen.

Als gebürtige Gmundnerin kennst du sowohl das Land- als auch das Stadtleben. Wo siehst du bezüglich der Kulturszene Vor- und Nachteile?

Ich möchte die beide Kulturszenen nicht unbedingt gegenüberstellen, denn ich habe beide einfach anders erlebt. Dennoch, Angebote, die ich in Wien schätzen gelernt habe, entdecke ich nun auch immer mehr im Salzkammergut. Ganz wichtig bei diesem Thema: Ernsthaft informieren und einfach mal hinschauen – denn es gibt meistens mehr, als man glaubt. Und wenn alles nichts hilft: Selbst engagieren! Ein Thema, über das ich mir in Wien diesbezüglich wenig Gedanken mache, ist die Mobilität. Um eine Veranstaltung – vor allem am Abend – zu besuchen, ist man im Salzkammergut meist ans Auto gebunden. Ich denke für viele Menschen ist das ein Hindernis – ich erlebe es jedenfalls bei mir selbst oftmals so.

Was erhoffst du dir vom Kulturhauptstadt-Titel?

Echte, gemeindeübergreifende Zusammenarbeit in der Region sowie eine starke Positionierung vonseiten der Politik! Das Thema Kultur ist nur eines von vielen Aspekten, für die es im ländlichen Raum spannende Projekte braucht. Ein Bekenntnis zur gegenseitiger Unterstützung und nachhaltigen, regionalen Entwicklungen, gepaart mit innovativen Ideen für die Region wird die Basis für den Erfolg sein. Ich wünsche mir, dass der Kulturhauptstadt-Titel der Anstoß für weitere Bereiche (z.B. Öffentlicher Verkehr, Digitalisierung, etc.) ist und das Salzkammergut zu einem Vorbild für weitere Regionen wird.

10 Jahre später: Wie sieht das Salzkammergut von 2034 idealerweise aus? 

2034 bleiben junge Menschen nicht nur im Salzkammergut, sondern sie engagieren sich, docken an bestehende Strukturen an und schaffen Neues. Sie finden eine Region vor, die Raum für innovative Ideen, Projekte und Ausprobieren bietet. Eine Region, in der ein eigenes Auto nicht notwendig ist, um von A nach B zu kommen, und in die ich als mittlerweile stark in Wien verwurzelte Altmünstererin vielleicht doch wieder zurückkommen möchte.