Mario Friedwagner

Mario Friedwagner

Mario Friedwagner ist Kulturarbeiter und Journalist in Bad Ischl. Seit 2005 hat er die Geschäftsleitung des Freien Radio Salzkammergut über. Bereits davor gestaltete der ehemalige Schispringer Berichte und Reportagen für den Hörfunk. Neben seiner Tätigkeit beim Freien Radio moderiert er außerdem Podiumsdiskussionen und Fernsehsendungen auf dorftv. Er war Teil des Teams, das im Jänner 2019 das Salzkammergut 2024 Bewerbungskonzept vor der europäischen Kulturhauptstadt-Jury präsentierte.

Wie würdest du die Kunst- und Kulturszene im Salzkammergut beschreiben?

Wie so oft im ländlichen Raum fehlt auch bei uns die personelle und räumliche Ausstattung. Will sagen, es gibt kaum bezahlte Jobs im Kulturbereich und es fehlt an Häusern, die sowohl in der Vermittlung als auch in der Produktion offene Räume anbieten. Abgesehen davon gibt es aber mit dem Kino Ebensee, der Deutschvilla und den Festwochen ein paar Initiativen, die einen diskursiven Kulturbegriff vertreten. Auch das Freie Radio gehört da dazu. Für eine ländliche Region ist das schon mal eine gute Basis.

Du bist beim Freien Radio Salzkammergut regelmäßig mit regionalen Künstler*innen in Kontakt. Was ist für sie die größte Herausforderung im Salzkammergut?

Schauen wir uns Ischl an. Bad Ischl, die Bewerberstadt für die Kulturhauptstadt, verfügt weder über Ateliers für regionale Künstler*innen noch über eine Galerie für zeitgenössische Kunst. Wir sehen auch hier wieder – es fehlt an personeller und räumlicher Ausstattung. Und letztlich an Wertschätzung. Kunst und Kultur ist für die Politik kein Standortfaktor. Für die Künstler*innen bedeutet das natürlich: ein hartes Brot mit wenig Butter drauf!

Wie kann man deiner Meinung nach die Bevölkerung für die Kulturhauptstadtbewerbung begeistern?

Es hätte mit dem ganzen Prozess bereits ein Jahr vorher begonnen werden müssen. Ich habe damals schon darauf gedrängt man möge die Kulturarbeiter*innen einbeziehen. Heute fragen mich diese ständig was da jetzt läuft. Also die, die Kultur veranstalten wissen kaum etwas über den Prozess. Das Bewerbungsbüro hätte viel mehr Zeit und Ressourcen gebraucht. Wir sehen also: auch hier wieder fehlende personelle Ausstattung. Positiv ist hingegen, dass mit dem mobilen Büro nun hinaus gegangen und das Thema in die Region hineintragen wird.

Welche kulturellen Veranstaltungen würdest du dir für das Salzkammergut wünschen?

Mehr Urbanes, mehr Zeitgenössisches. Dafür würde es aber ein Haus brauchen, das sich genau dafür ein Publikum erspielen kann. Das Publikum gibt es, aber es wird kulturpolitisch nicht abgeholt. Also ich würde mir das offene Kulturhaus in Vöcklabruck zum Vorbild nehmen. Gleichzeitig weiß ich, dass das gerade in Ischl nicht so einfach ist – der Bürgermeister, der ein Kulturmensch ist, hat wenig Spielraum – mit zwei Museen muss er bereits zwei Häuser erhalten. Und auch das Kongresshaus braucht Zuwendung.

Wie sieht das Salzkammergut von 2034 idealerweise aus?

Bad Ischl/Salzkammergut waren europäische Kulturhauptstadt und diese war kein Projekt der üblichen Platzhirschen, die den Rahm abgeschöpft haben, den die ehrenamtlichen Kulturarbeiter*innen mit ihrer Expertise aufgerührt haben. Mit der Kulturhauptstadt hat sich strukturell etwas geändert. Es gibt ein offenes Kulturhaus mit Werkstätten, es gibt Budgets für die Bezahlung von Angestellten. Und es gibt ein Publikum, das an einem Diskurs über Demokratie und Politik teilnimmt und sich nicht so wie jetzt ins Private zurückzieht.