Blickpunkte – Ferdinand Reisenbichler


Der gebürtige Ebenseeer Ferdinand Reisenbichler ist Maler und Kunsttherapeut. Er leitet die Kunstwerkstatt Lebenshilfe Gmunden und gründete die Galerie Tacheles, die neben zeitgenössischer Kunst auch Art Brut zeigt. Kunst ist für Ferdinand Reisenbichler so wichtig, wie für andere die Luft zum atmen, sie ist für ihn Grundpfeiler der Menschenbildung, der Toleranz und des Miteinanders.

Was denkst du vom Kulturhauptstadt-Projekt? Wo siehst du Stärken und Schwächen?

Als Stärke sehe ich das tolle, engagierte Team und die große Chance für das Salzkammergut, auch für eine positive, nachhaltige Veränderung. Ein Nachteil ist meiner Meinung nach, dass das Engagement der im Vorfeld der Bewerbung Agierenden unterbudgetiert ist und dass regionale Interessen den Prozess bremsen. Das “Wir alle gemeinsam”-Gefühl muss sich erst entwickeln.

Du arbeitest als Kunsttherapeut sehr viel mit Menschen, die eine Behinderung haben. Wie geht die Kulturszene im Salzkammergut mit diesen Künstlern um? Wo gibt es Verbesserungsmöglichkeiten?

Sechs meiner Künstlerkolleg*innen aus der Kunstwerkstatt Lebenshilfe Gmunden sind seit 2015 gleichberechtigte Mitglieder im Kunstverein Kunstforum Salzkammergut. Noch vor zehn Jahren wäre das nicht möglich gewesen. Mittlerweile haben wir in der Kunstwerkstatt viel mit zeitgenössischen Künstler*innen auf Augenhöhe zusammengearbeitet und dadurch eine aufrichtig Wertschätzung seitens der zeitgenössischen Kunst erworben. Internationale Kunstpreise und die Teilnahme an der Art Brut Ausstellung “Flying High” im Bank Austria Kunstforum dokumentieren die Qualität der Künstler*innen im Atelier.

Was sind die größten Herausforderungen in der regionalen Kulturszene? 

Kunst ist ein Lebensmittel – die Politik und die Stadtregierungen leiden allzu oft an einer Lebensmittelunverträglichkeit. Es gilt, die Kunst wieder in der Gesellschaft zu verankern, ihren sozialen und politischen Wert zu unterstreichen und sichtbar zu machen sowie der Bevölkerung den Zugang zu Kunst und Kultur niederschwellig zu ermöglichen. Das Festival der Regionen in Ebensee zum Beispiel – was für ein tolles niederschwelliges Projekt. Leider ohne Nachhaltigkeit, weil die Unterstützung fehlte und die Selbstausbeutung der Kunstschaffenden irgendwann auch ein Ende hat. Die Kunstszene muss auf eine nachhaltige Performance setzen – kein aufpoppen und verschwinden, sondern ein sähen und aufblühen und das möglicherweise mit einer verbindlichen Unterstützung des Landes.

10 Jahre später: Wie sieht das Salzkammergut von 2034 idealerweise aus? 

Ein Salzkammergut, das weltoffen ist, das “Wir” sagt und “Wir” meint. Eine lebendige und alltagsintegrierte Kulturszene, frisch, frech, offen und generationenübergreifend. Eine Region, die Akzente setzt und diese Akzente zur Diskussion stellt. Pro 100 Sozialwohnungen je ein gefördertes Atelier inklusive Dokumentationsarchiv für eine*n verstorbene*n regionale*n Künstler*in. 2034 ist das Salzkammergut eine Modellregion für das Bedingungslose Grundeinkommen – Kunst, Kultur, soziales Engagement und Freiwilligenarbeit haben das gesellschaftliche Leben positiv verändert. Das Salzkammergut ist frei von Einkaufszentren. Die Innenstädte werden neu belebt, regionaler Handel und weltoffenes Selbstbewusstsein sind in der Gesellschaft und in allen Bildungseinrichtungen verankert. Ortszentren werden zum Treffpunkt, Kunst und Kultur sind das Bindemittel.

Der gebürtige Ebenseeer Ferdinand Reisenbichler ist Maler und Kunsttherapeut. Er leitet die Kunstwerkstatt Lebenshilfe Gmunden und gründete die Galerie Tacheles, die neben zeitgenössischer Kunst auch Art Brut zeigt. Kunst ist für Ferdinand Reisenbichler so wichtig, wie für andere die Luft zum atmen, sie ist für ihn Grundpfeiler der Menschenbildung, der Toleranz und des Miteinanders.

Was denkst du vom Kulturhauptstadt-Projekt? Wo siehst du Stärken und Schwächen?

Als Stärke sehe ich das tolle, engagierte Team und die große Chance für das Salzkammergut, auch für eine positive, nachhaltige Veränderung. Ein Nachteil ist meiner Meinung nach, dass das Engagement der im Vorfeld der Bewerbung Agierenden unterbudgetiert ist und dass regionale Interessen den Prozess bremsen. Das “Wir alle gemeinsam”-Gefühl muss sich erst entwickeln.

Du arbeitest als Kunsttherapeut sehr viel mit Menschen, die eine Behinderung haben. Wie geht die Kulturszene im Salzkammergut mit diesen Künstlern um? Wo gibt es Verbesserungsmöglichkeiten?

Sechs meiner Künstlerkolleg*innen aus der Kunstwerkstatt Lebenshilfe Gmunden sind seit 2015 gleichberechtigte Mitglieder im Kunstverein Kunstforum Salzkammergut. Noch vor zehn Jahren wäre das nicht möglich gewesen. Mittlerweile haben wir in der Kunstwerkstatt viel mit zeitgenössischen Künstler*innen auf Augenhöhe zusammengearbeitet und dadurch eine aufrichtig Wertschätzung seitens der zeitgenössischen Kunst erworben. Internationale Kunstpreise und die Teilnahme an der Art Brut Ausstellung “Flying High” im Bank Austria Kunstforum dokumentieren die Qualität der Künstler*innen im Atelier.

Was sind die größten Herausforderungen in der regionalen Kulturszene? 

Kunst ist ein Lebensmittel – die Politik und die Stadtregierungen leiden allzu oft an einer Lebensmittelunverträglichkeit. Es gilt, die Kunst wieder in der Gesellschaft zu verankern, ihren sozialen und politischen Wert zu unterstreichen und sichtbar zu machen sowie der Bevölkerung den Zugang zu Kunst und Kultur niederschwellig zu ermöglichen. Das Festival der Regionen in Ebensee zum Beispiel – was für ein tolles niederschwelliges Projekt. Leider ohne Nachhaltigkeit, weil die Unterstützung fehlte und die Selbstausbeutung der Kunstschaffenden irgendwann auch ein Ende hat. Die Kunstszene muss auf eine nachhaltige Performance setzen – kein aufpoppen und verschwinden, sondern ein sähen und aufblühen und das möglicherweise mit einer verbindlichen Unterstützung des Landes.

10 Jahre später: Wie sieht das Salzkammergut von 2034 idealerweise aus? 

Ein Salzkammergut, das weltoffen ist, das “Wir” sagt und “Wir” meint. Eine lebendige und alltagsintegrierte Kulturszene, frisch, frech, offen und generationenübergreifend. Eine Region, die Akzente setzt und diese Akzente zur Diskussion stellt. Pro 100 Sozialwohnungen je ein gefördertes Atelier inklusive Dokumentationsarchiv für eine*n verstorbene*n regionale*n Künstler*in. 2034 ist das Salzkammergut eine Modellregion für das Bedingungslose Grundeinkommen – Kunst, Kultur, soziales Engagement und Freiwilligenarbeit haben das gesellschaftliche Leben positiv verändert. Das Salzkammergut ist frei von Einkaufszentren. Die Innenstädte werden neu belebt, regionaler Handel und weltoffenes Selbstbewusstsein sind in der Gesellschaft und in allen Bildungseinrichtungen verankert. Ortszentren werden zum Treffpunkt, Kunst und Kultur sind das Bindemittel.