Perspektiven – Julia Müllegger


Julia Müllegger wurde in ihren Jugendjahren im Kulturverein Kino Ebensee – ihrem ersten Wohnzimmer – sozialisiert und gebildet. Die Wiener Theaterlandschaft zog sie zum Studieren von der Region weg. Über Stationen in Tours und Berlin kam sie wegen der Liebe, aber auch aus beruflichen Gründen schließlich wieder zurück an den Traunsee. Dort übernahm sie die Geschäftsleitung der Sommerakademie Traunkirchen. Neben der Umsetzung diverser Kulturprojekte gilt ihr Interesse speziell der Kultur- und Medienpolitik.

 

Du bist engagierte Kulturarbeiterin und u.a. Mitglied beim Kino Ebensee. Wie würdest du die Kunst- und Kulturszene des Salzkammerguts beschreiben?

In meinen Augen ist eine Besonderheit die Aufgliederung der gesamten Region Salzkammergut in viele Mikroregionen – jeder Ort hat im zeitgenössischen Kunst- und Kulturbereich einen eigenen Focus, seine eigene Stärke: hier ist es die alternative Szene, dort die Operette, drüben die bildende Kunst etc. Die diversen Intentionen sind im historisch-politischen Kontext betrachtet, gut nachvollziehbar., bspw. Ersichtlich bei den Beispielen des von der Sommerfrische geprägten nun kulturtouristischen Bad Ischl und des von der Arbeiterkultur geprägten Ebensees mit einem starken Frauenforum und einem autonomen, international renommierten Kulturverein.

Als ehemalige Geschäftsleiterin der Sommerakademie in Traunkirchen weißt du was regionale Kulturarbeit ausmacht. Wo siehst du Stärken und Schwächen (auch im Vergleich zu Städten)?

In meiner Wahrnehmung fehlt bezüglich der regionalen, zeitgenössischen Kunst und Kultur oft der politische Wille, Dinge zuzulassen oder zu fördern. Es bedarf langer Erklärungen, Erprobungen und viel an persönlichem Engagement und Zeit um Dinge zur Umsetzung zu bringen. Das ist gerade an dem Beispiel der langen Vorlaufphase zur Bewerbungsinitiative zur KHST2024 ersichtlich. Wäre bereits 2015, als die ersten Engagierten auf eine Bewerbung drängten, mehr Verständnis und Unterstützung aus der Politik, den Gemeinden gekommen, wäre es vermutlich möglich gewesen, den Prozess noch breiter für die Bevölkerung zu gestalten und mehr finanzielle Mittel dafür aufzubringen. Dazu ist noch einzuwerfen, das diese Kritik nicht nur zu Lasten der Region geht, denn Kulturpolitik wird in meinen Augen sehr zentralistisch zugunsten der (Landeshaupt)stadt gefördert. Auch hier wäre ein Umdenken notwendig, um die Kulturpolitik in ländlichen Regionen erst zu ermächtigen dieses Feld auszuüben.

Was sind deiner Meinung nach die größten Chancen, die mit dem Kulturhauptstadt-Titel verbunden sind?

An die vorherige Frage anschließend wäre der Titel KHST ganz allgemein eine Möglichkeit die Bedeutung der Region für ein Land auch abseits seiner touristischen Verwertbarkeit hervorzuheben. Er könnte diverse Möglichkeitsräume in vielen Lebensbereichen für die Bewohner*innen und auch für die politischen Entscheidungsträger*innen aufzeigen.
Eine große Chance ist, sich aus unterschiedlichen Perspektiven intensiv mit den großen und kleinen Fragen der Zukunft für diese Region, aber auch ein bisschen darüber hinaus, zu beschäftigen. Utopien für ein gemeinschaftliches Leben und Arbeiten in einer intakten Natur zu entwickeln und diese Wirklichkeit werden zu lassen.

Was fasziniert dich am Salzkammergut?

Ich habe keine patriotischen Gefühle bezüglich des Salzkammerguts oder seiner Bewohner*innen und Kulturschaffenden. Es ist ein schöner, schützenswerter Lebensraum, wie viele andere Teile der Erde auch, in dem Menschen ihr Leben und das ihrer Gemeinschaft gestalten.

10 Jahre später: wie sieht das Salzkammergut von 2034 idealerweise aus?

2034 haben auch die hier lebenden Menschen ihre Wertigkeiten zu ändern begonnen: die Lohnarbeit hat nicht mehr vorrangige Definitionsmacht und Herrschaft über Umwelt, Kultur und Menschlichkeit. Das solidarische Miteinander und die Achtsamkeit im Umgang mit der Natur sind handlungsweisend für Mensch und Politik. Und die Möglichkeiten der Digitalisierung und der dadurch entstehenden Netzwerke bringen sowohl Menschen, ihre Kunst, ihr Wissen und ihre Ideen leichter und umweltfreundlicher in der Region Salzkammergut zueinander.

Julia Müllegger wurde in ihren Jugendjahren im Kulturverein Kino Ebensee – ihrem ersten Wohnzimmer – sozialisiert und gebildet. Die Wiener Theaterlandschaft zog sie zum Studieren von der Region weg. Über Stationen in Tours und Berlin kam sie wegen der Liebe, aber auch aus beruflichen Gründen schließlich wieder zurück an den Traunsee. Dort übernahm sie die Geschäftsleitung der Sommerakademie Traunkirchen. Neben der Umsetzung diverser Kulturprojekte gilt ihr Interesse speziell der Kultur- und Medienpolitik.

 

Du bist engagierte Kulturarbeiterin und u.a. Mitglied beim Kino Ebensee. Wie würdest du die Kunst- und Kulturszene des Salzkammerguts beschreiben?

In meinen Augen ist eine Besonderheit die Aufgliederung der gesamten Region Salzkammergut in viele Mikroregionen – jeder Ort hat im zeitgenössischen Kunst- und Kulturbereich einen eigenen Focus, seine eigene Stärke: hier ist es die alternative Szene, dort die Operette, drüben die bildende Kunst etc. Die diversen Intentionen sind im historisch-politischen Kontext betrachtet, gut nachvollziehbar., bspw. Ersichtlich bei den Beispielen des von der Sommerfrische geprägten nun kulturtouristischen Bad Ischl und des von der Arbeiterkultur geprägten Ebensees mit einem starken Frauenforum und einem autonomen, international renommierten Kulturverein.

Als ehemalige Geschäftsleiterin der Sommerakademie in Traunkirchen weißt du was regionale Kulturarbeit ausmacht. Wo siehst du Stärken und Schwächen (auch im Vergleich zu Städten)?

In meiner Wahrnehmung fehlt bezüglich der regionalen, zeitgenössischen Kunst und Kultur oft der politische Wille, Dinge zuzulassen oder zu fördern. Es bedarf langer Erklärungen, Erprobungen und viel an persönlichem Engagement und Zeit um Dinge zur Umsetzung zu bringen. Das ist gerade an dem Beispiel der langen Vorlaufphase zur Bewerbungsinitiative zur KHST2024 ersichtlich. Wäre bereits 2015, als die ersten Engagierten auf eine Bewerbung drängten, mehr Verständnis und Unterstützung aus der Politik, den Gemeinden gekommen, wäre es vermutlich möglich gewesen, den Prozess noch breiter für die Bevölkerung zu gestalten und mehr finanzielle Mittel dafür aufzubringen. Dazu ist noch einzuwerfen, das diese Kritik nicht nur zu Lasten der Region geht, denn Kulturpolitik wird in meinen Augen sehr zentralistisch zugunsten der (Landeshaupt)stadt gefördert. Auch hier wäre ein Umdenken notwendig, um die Kulturpolitik in ländlichen Regionen erst zu ermächtigen dieses Feld auszuüben.

Was sind deiner Meinung nach die größten Chancen, die mit dem Kulturhauptstadt-Titel verbunden sind?

An die vorherige Frage anschließend wäre der Titel KHST ganz allgemein eine Möglichkeit die Bedeutung der Region für ein Land auch abseits seiner touristischen Verwertbarkeit hervorzuheben. Er könnte diverse Möglichkeitsräume in vielen Lebensbereichen für die Bewohner*innen und auch für die politischen Entscheidungsträger*innen aufzeigen.
Eine große Chance ist, sich aus unterschiedlichen Perspektiven intensiv mit den großen und kleinen Fragen der Zukunft für diese Region, aber auch ein bisschen darüber hinaus, zu beschäftigen. Utopien für ein gemeinschaftliches Leben und Arbeiten in einer intakten Natur zu entwickeln und diese Wirklichkeit werden zu lassen.

Was fasziniert dich am Salzkammergut?

Ich habe keine patriotischen Gefühle bezüglich des Salzkammerguts oder seiner Bewohner*innen und Kulturschaffenden. Es ist ein schöner, schützenswerter Lebensraum, wie viele andere Teile der Erde auch, in dem Menschen ihr Leben und das ihrer Gemeinschaft gestalten.

10 Jahre später: wie sieht das Salzkammergut von 2034 idealerweise aus?

2034 haben auch die hier lebenden Menschen ihre Wertigkeiten zu ändern begonnen: die Lohnarbeit hat nicht mehr vorrangige Definitionsmacht und Herrschaft über Umwelt, Kultur und Menschlichkeit. Das solidarische Miteinander und die Achtsamkeit im Umgang mit der Natur sind handlungsweisend für Mensch und Politik. Und die Möglichkeiten der Digitalisierung und der dadurch entstehenden Netzwerke bringen sowohl Menschen, ihre Kunst, ihr Wissen und ihre Ideen leichter und umweltfreundlicher in der Region Salzkammergut zueinander.