Blickpunkte – Paul Jaeg


Paul Jaeg ist Künstler, der in Gosau aufgewachsen ist und auch heute noch dort lebt. Wenn es um regionale Kulturarbeit geht, weiß Paul Jaeg worauf es ankommt: Fünf Jahre lang war er künstlerischer Leiter der Deutschvilla in Strobl und hat außerdem den Arovel Verlag gegründet, den er bis 2016 leitete. Seine Kunst ist bei Ausstellungen in Österreich und in Bayern vertreten.

Du warst fünf Jahre lang Kurator der Deutschvilla in Strobl. Was sind die größten Herausforderungen in der regionalen Kulturarbeit?

Die regionale Kulturarbeit ist ein sehr weiter und nicht eingrenzbarer Begriff. Der Bereich “Traditionelles” erfährt in letzter Zeit eine wachsende Bedeutung, wobei das Kitsch-Element sukzessiv zurückgedrängt wird. Das freut mich sehr, habe ich doch Jahrzehnte lang intensiv mitgewirkt, dass dies so ist (Gründung eines nicht rechtslastigen Heimatvereins, Mitwirkung in der Musikschule, im Gesangsverein, in der Blasmusik und in der Volkshochschule). Aber: Die regionale Kulturarbeit bezüglich zeitgenössischer Kunst steckt im Salzkammergut in winzigen Babyschuhen, kaum wahrnehmbar; das ist sehr schade! Bei einer Sitzung bezüglich “Ansuchen Bad Ischl Kulturhauptstadt” erfuhr ich und war bass erstaunt: Es gibt so etwas wie “Angst vor der neuen Kunst” bei uns!

Wie würdest du die Kunst- und Kulturszene des Salzkammerguts beschreiben?

Es gibt eindeutig gute Ansätze für unsere Kunst- und Kulturszene. Was fehlt ist: Wir benötigen mehr Personen, die sich dafür einsetzen. Ich denke dabei an den Enthusiasmus für die vielen traditionellen Vereine und Aktionen, vergleichsweise. Meine Erfahrung zeigt: Überall dort, wo “spezielle” Menschen für eine Sache eintreten, geht etwas weiter, sonst leider kaum. Alle Bürgermeister*innen bei uns stehen eindeutig auf der kulturellen Seite, sind sehr kultur-affin, halten diese hoch! Daran liegt es nicht. Wir müssen ihnen mehr gute und durchführbare Projekte vorlegen – und nicht locker lassen! Übrigens: Ebensee und das Kulturprojekt “Kino” sind für mich immer noch das Beste, was wir im Salzkammergut haben!

Wie beeinflusst/inspiriert das Salzkammergut deine Arbeit?

Ich trat vor 30 Jahren an, mit einem wohlüberlegten Konzeptpapier, mich so intensiv wie möglich mit zeitgenössischer Kunst auseinanderzusetzen und selber zu produzieren. Ich litt dabei ständig unter Kompromittierungen verschiedenster Art, denn ich wurde immer als der Bisserl-Harmonika-Spieler aus dem winzigen Ort Gosau “abgetan”. Diese “Absichtlich-Nichtbeachtung” ist zwar rückläufig, ist mir aber vor kurzem bei einem Auftritt während einer Vernissage in Oberösterreich wieder passiert (von einer hochgestellten Persönlichkeit im öffentlichen Kulturleben des Landes Oberösterreich). Jedoch – ich habe schon so viele Kratzer, dass mir einer mehr nicht viel anhaben kann!

Was schätzt du am Landleben und was vermisst du? 

Ich habe mir als 21-jähriger einen ganzen Tag Zeit gegeben, mich für Salzburg Stadt oder meinen Geburtsort Gosau zu entscheiden. Es wurde Gosau! Ich lebe gerne hier, bin mit allen in einer guten Beziehung. Bis auf eine Person, die mich vor einem Monat in einen Rufmord (gerüchteweise) hineinzog. Ich schätze, dass mir jeder sagt, was er denkt. Und ich mag es, auf den Almen die Probleme des Alltags zu vergessen.

10 Jahre später: WIe sieht das Salzkammergut von 2034 idealerweise aus?

Von Idealen träumen habe ich mir vor kurzem abgewöhnt. Schuld daran ist die derzeitige politische Lage in Österreich – sie ist zum Weinen! Ich war ein typischer 68er und ich war es voll und ganz, trotz der vielen Schwächen, die sie kennzeichnen. Die heutige Jugend würde wirklich sehr dumm dreinschauen, wenn wir die Uhr auf 1960 zurückdrehen, das traue ich mir zu sagen! In vielen Aktionen gingen wir an die Grenze, haben viele Gehirne zum Nachdenken gebracht, wurden spöttisch belächelt. Ich war der erste in Gosau mit schulterlangen Haaren und weiten, ausgestellten Hosen, als Sohn eines waschechten Jägers. Mein Vater hat das voll akzeptiert. Auch solche Leute gab es schon damals. Und auf solche Leute hoffe ich, damit das Jahr 2034 “fair und funny” wird – und nicht desaströs. Wir brauchen keine weiteren Jeremiaden, wir brauchen gute Köpfe, die andere begeistern können. Wo sind die tausend Gretas, die das Salzkammergut so nötig hätte?

Paul Jaeg ist Künstler, der in Gosau aufgewachsen ist und auch heute noch dort lebt. Wenn es um regionale Kulturarbeit geht, weiß Paul Jaeg worauf es ankommt: Fünf Jahre lang war er künstlerischer Leiter der Deutschvilla in Strobl und hat außerdem den Arovel Verlag gegründet, den er bis 2016 leitete. Seine Kunst ist bei Ausstellungen in Österreich und in Bayern vertreten.

Du warst fünf Jahre lang Leiter der Deutschvilla in Strobl. Was sind die größten Herausforderungen in der regionalen Kulturarbeit?

Die regionale Kulturarbeit ist ein sehr weiter und nicht eingrenzbarer Begriff. Der Bereich “Traditionelles” erfährt in letzter Zeit eine wachsende Bedeutung, wobei das Kitsch-Element sukzessiv zurückgedrängt wird. Das freut mich sehr, habe ich doch Jahrzehnte lang intensiv mitgewirkt, dass dies so ist (Gründung eines nicht rechtslastigen Heimatvereins, Mitwirkung in der Musikschule, im Gesangsverein, in der Blasmusik und in der Volkshochschule). Aber: Die regionale Kulturarbeit bezüglich zeitgenössischer Kunst steckt im Salzkammergut in winzigen Babyschuhen, kaum wahrnehmbar; das ist sehr schade! Bei einer Sitzung bezüglich “Ansuchen Bad Ischl Kulturhauptstadt” erfuhr ich und war bass erstaunt: Es gibt so etwas wie “Angst vor der neuen Kunst”  bei uns!

Wie würdest du die Kunst- und Kulturszene des Salzkammerguts beschreiben?

Es gibt eindeutig gute Ansätze für unsere Kunst- und Kulturszene. Was fehlt ist: Wir benötigen mehr Personen, die sich dafür einsetzen. Ich denke dabei an den Enthusiasmus für die vielen traditionellen Vereine und Aktionen, vergleichsweise. Meine Erfahrung zeigt: Überall dort, wo “spezielle” Menschen für eine Sache eintreten, geht etwas weiter, sonst leider kaum. Alle Bürgermeister*innen bei uns stehen eindeutig auf der kulturellen Seite, sind sehr kultur-affin, halten diese hoch! Daran liegt es nicht. Wir müssen ihnen mehr gute und durchführbare Projekte vorlegen – und nicht locker lassen! Übrigens: Ebensee und das Kulturprojekt “Kino” sind für mich immer noch das Beste, was wir im Salzkammergut haben!

Wie beeinflusst/inspiriert das Salzkammergut deine Arbeit?

Ich trat vor 30 Jahren an, mit einem wohlüberlegten Konzeptpapier, mich so intensiv wie möglich mit zeitgenössischer Kunst auseinanderzusetzen und selber zu produzieren. Ich litt dabei ständig unter Kompromittierungen verschiedenster Art, denn ich wurde immer als der Bisserl-Harmonika-Spieler aus dem winzigen Ort Gosau “abgetan”. Diese “Absichtlich-Nichtbeachtung” ist zwar rückläufig, ist mir aber vor kurzem bei einem Auftritt während einer Vernissage in Oberösterreich wieder passiert (von einer hochgestellten Persönlichkeit im öffentlichen Kulturleben des Landes Oberösterreich). Jedoch – ich habe schon so viele Kratzer, dass mir einer mehr nicht viel anhaben kann!

Was schätzt du am Landleben und was vermisst du? 

Ich habe mir als 21-jähriger einen ganzen Tag Zeit gegeben, mich für Salzburg Stadt oder meinen Geburtsort Gosau zu entscheiden. Es wurde Gosau! Ich lebe gerne hier, bin mit allen in einer guten Beziehung. Bis auf eine Person, die mich vor einem Monat in einen Rufmord (gerüchteweise) hineinzog. Ich schätze, dass mir jeder sagt, was er denkt. Und ich mag es, auf den Almen die Probleme des Alltags zu vergessen.

10 Jahre später: WIe sieht das Salzkammergut von 2034 idealerweise aus?

Von Idealen träumen habe ich mir vor kurzem abgewöhnt. Schuld daran ist die derzeitige politische Lage in Österreich – sie ist zum Weinen! Ich war ein typischer 68er und ich war es voll und ganz, trotz der vielen Schwächen, die sie kennzeichnen. Die heutige Jugend würde wirklich sehr dumm dreinschauen, wenn wir die Uhr auf 1960 zurückdrehen, das traue ich mir zu sagen! In vielen Aktionen gingen wir an die Grenze, haben viele Gehirne zum Nachdenken gebracht, wurden spöttisch belächelt. Ich war der erste in Gosau mit schulterlangen Haaren und weiten, ausgestellten Hosen, als Sohn eines waschechten Jägers. Mein Vater hat das voll akzeptiert. Auch solche Leute gab es schon damals. Und auf solche Leute hoffe ich, damit das Jahr 2034 “fair und funny” wird – und nicht desaströs. Wir brauchen keine weiteren Jeremiaden, wir brauchen gute Köpfe, die andere begeistern können. Wo sind die tausend Gretas, die das Salzkammergut so nötig hätte?