Blickpunkte – Sonja Reiter-Gaisberger


Mehrere Jahre und in verschiedenen Ländern hat Sonja Reiter-Gaisberger nach ihrer wahren Berufung gesucht und diese schließlich in der Kunsttherapie gefunden. Nachdem sie in England sowie in Wien und dem Mühlviertel lebte, brachte sie ihre Sehnsucht wieder ins Ausseerland. Dort lebt die 38-jährige Kunsttherapeutin heute gemeinsam mit ihrem Mann und ihrer gemeinsamen Tochter in einem Mehrgenerationenhaus in Bad Aussee. Aus der Musik sowie den Bergen und Seen schöpft sie Kraft und Inspiration für ihre Arbeit.

Du bist Mitglied des Kollektiv23. Kannst du kurz erklären, was das Ziel des Kollektivs ist und warum du dabei bist?

Das Ziel vom Kollektiv23 ist Kunst erlebbar zu machen. Mit den Menschen in Kontakt gehen und das Interesse an Kunst wecken. Kunst in der Form wie es uns im Kollektiv23 wichtig ist, die Form der Kunst die aufrüttelt, die spürbar ist.
Ich bin ein Teil vom Kollektiv23 weil es für mich kraftvoll ist, mit diesen Frauen zusammen zu arbeiten, weil sie für mich Inspiration sind und das Kollektiv eine Basis ist, vergleichbar mit einer nährstoffreichen Erde, auf der etwas Gutes wachsen kann.

Wie würdest du deine Kunst beschreiben?

Meine Kunst fächert sich auf in verschiedene Bereiche. Bildnerisch ist der eine Teil, Performance der andere. Im bildnerischen Bereich arbeite ich viel mit vorhandenen Materialien, mache gerne Kollagen, Drucke oder arbeite auch gerne über Bilder oder Poster drüber. Bei den Ergebnissen ist es für mich wichtig, dass der/die Betrachter*in beim Anschauen ins Spüren oder Nachdenken kommt.
Genau so auch bei der Performance. Da ist mir das Erleben der Begegnung im Hier und Jetzt wichtig, die Begegnung mit mir und mit dem/der Betrachter*in, einfach das Auslösen einer Emotion bei beiden, bei Künstlerin und Betrachter*in. Sobald etwas in Bewegung ist, stimmt mich das zufrieden – und Zufriedenheit ist eine eher seltene Emotion bei mir in Bezug auf Kunst. Ich bemerke gerade, Bewegung und Begegnung sind sehr eng verbunden, nicht nur im Wortstil.

Du arbeitest als Kunsttherapeutin, was ist die größte Herausforderung dabei?

Ich arbeite in einer Psychosomatischen Klinik. Dort kommen verschiedenste Menschen hin. Bemerkenswert ist, dass Menschen, sobald sie mit mir als Kunsttherapeutin in den ersten Kontakt kommen, immer den Satz verlauten lassen: „Ich kann aber nicht zeichnen!“ Sie bringen somit zum Ausdruck, dass sie von klein an in ihrem schöpferischen Ausdruck bewertet worden sind, darum auch Angst haben auch von mir in meiner therapeutischen Rolle bewertet zu werden. Ich begleite dann die Patienten dorthin, dass das, was sie zeichnen, malen oder tonen immer wertvoll ist, da diese Werke die entstehen Teile von ihnen sind die sie zeigen. Der Weg dorthin, das Annehmen von den Werken die entstehen, und somit das Eigene annehmen, in dem wie sie gerade bei mir sind, ist oft ein langer spannender Weg. Das Schönste für mich ist, wenn die Menschen, die zu mir in Therapie kommen, das Gefühl der Freiheit zur Kunst wieder finden, und somit wieder einen Teil ihrer Ressourcen gefunden haben. Ich bin der Überzeugung, dass der schöpferische Drang in jedem von uns steckt, nur wird dieser Drang oft viel zu früh mit einer Bewertung belastet.
Ich denke da an jemanden der in schwierigen Familienverhältnissen aufwächst und im Kunstunterrricht vielleicht nicht die Sonnenblume zeichnet, so wie die Pädagogin sich das vorstellt, vielleicht einfach nur hinkratzelt, weil er unbewusst zeigen will „mir geht es schlecht, ich will keine Sonnenblume zeichnen“, also im Widerstand ist. Derjenige bekommt dann eine schlechte Note und das Gefühl „so wie ich mich zeige ist nicht gut genug“ verstärkt sich und so wird dieses abwertende Gefühl abgespeichert.
Es wäre so schön, Menschen, bzw. Kinder, die in schwierigen Verhältnissen aufwachsen kunst- therapeutisch in Schulen zu begleiten, dass sie die Möglichkeit haben nonverbal zu zeigen wie es ihnen geht, weil Worte dafür zu finden oft zu schwierig ist.
In meiner Arbeit ist es dann wirklich sehr erfüllend, das Glück zu sehen, wenn Patienten ihre Freu- de am schöpferischen Ausdruck wieder finden.

Was bedeutet Kunst für dich? Wie wird Kunst im Salzkammergut vermittelt?

Kunst bedeutet für mich Freiheit. Die Freiheit mich mit meinem Innersten zu zeigen. Rigoros zu sein. Ein Theaterpädagoge hat zu mir im Zuge der Ausbildung einmal gesagt: „Don‘t think the audience is stupid.“ Egal wie ich mich zeige, ich werde gesehen, entweder bildnerisch oder in der Performance. Und so wie ich mich zeige eröffnet sich dem Publikum die Möglichkeit sich selbst zu sehen.

Kunst im Salzkammergut ist, finde ich, weit gefächert, von traditionell bis zeitgenössisch. Wobei sich der zeitgenössische Teil eher ruhiger verhält, eher im Hintergrund passiert. In den letzten 2 Jahren habe ich aber bemerkt, dass Veränderung passiert. Gerade vor 3 Wochen habe ich im Zuge der Präsentation der „20 Jahre Grundlseer Geigenmusi CD“ einige meiner Werke gemeinsam mit 2 anderen Künstlern (Sophie Rastl, Clemens Kranawetter) ausstellen können. Tradition und Moderne waren da mit- und nebeneinander präsent. Ein hervorragendes Beispiel ist für mich auch der Radiosender „Freies Radio Salzkammergut“, wo mein Mann eine Sendung macht. Bei diesem Sender erlebe ich ganz besonders das symbiotische Zusammenspiel von Jung und Alt, Tradition und Moderne.
Weil das eine das andere nicht ausschließt. Ich habe das Gefühl, das Salzkammergut ist ein Boden für Verbindendes. Ein Miteinander empfinde ich immer fruchtbarer als ein Gegeneinander.

Was sind deiner Meinung nach die größten Chancen, die mit dem Kulturhauptstadt-Titel verbunden sind?

Die größten Chancen sind sicher, dass dieser nahrhafte Boden gut gepflegt werden kann, dass Früchte und Bäume wachsen die noch nie jemand gesehen hat. Internationale Bekanntheit sowie auch internationales Publikum können hier förderlich wirken. Ich empfinde Freude darüber, über unsere Grenzen hinaus zu denken und glaube auch, dass der Zusammenhalt innerhalb des Salzkammergutes gestärkt wird. Mir gefällt gerade der Gedanke recht gut, über Entfalten und Erweitern dann doch wieder Zusammenhalten.

10 Jahre später: wie sieht das Salzkammergut von 2034 idealerweise aus?

Idealerweise lebe ich noch… Die Landschaft ist erhalten geblieben, nicht zu viele Häuser und Hotels an den schönsten Orten gebaut. Es gibt Begegnung zwischen Politik und Kunst. Es gibt Geld für Kunst und Kultur und junge Künstler*innen werden unterstützt und gefördert. Es werden nicht nur Versprechungen gemacht sondern Künstler*innen werden in ihrem Tun ernst genommen, weil sie ein wichtiger Teil der Gesellschaft sind. Sie fangen den Geist der Zeit ein.

Mehrere Jahre und in verschiedenen Ländern hat Sonja Reiter-Gaisberger nach ihrer wahren Berufung gesucht und diese schließlich in der Kunsttherapie gefunden. Nachdem sie in England sowie in Wien und dem Mühlviertel lebte, brachte sie ihre Sehnsucht wieder ins Ausseerland. Dort lebt die 38-jährige Kunsttherapeutin heute gemeinsam mit ihrem Mann und ihrer gemeinsamen Tochter in einem Mehrgenerationenhaus in Bad Aussee. Aus der Musik sowie den Bergen und Seen schöpft sie Kraft und Inspiration für ihre Arbeit.

Du bist Mitglied des Kollektiv23. Kannst du kurz erklären, was das Ziel des Kollektivs ist und warum du dabei bist?

Das Ziel vom Kollektiv23 ist Kunst erlebbar zu machen. Mit den Menschen in Kontakt gehen und das Interesse an Kunst wecken. Kunst in der Form wie es uns im Kollektiv23 wichtig ist, die Form der Kunst die aufrüttelt, die spürbar ist.
Ich bin ein Teil vom Kollektiv23 weil es für mich kraftvoll ist, mit diesen Frauen zusammen zu arbeiten, weil sie für mich Inspiration sind und das Kollektiv eine Basis ist, vergleichbar mit einer nährstoffreichen Erde, auf der etwas Gutes wachsen kann.

Wie würdest du deine Kunst beschreiben?

Meine Kunst fächert sich auf in verschiedene Bereiche. Bildnerisch ist der eine Teil, Performance der andere. Im bildnerischen Bereich arbeite ich viel mit vorhandenen Materialien, mache gerne Kollagen, Drucke oder arbeite auch gerne über Bilder oder Poster drüber. Bei den Ergebnissen ist es für mich wichtig, dass der/die Betrachter*in beim Anschauen ins Spüren oder Nachdenken kommt.
Genau so auch bei der Performance. Da ist mir das Erleben der Begegnung im Hier und Jetzt wichtig, die Begegnung mit mir und mit dem/der Betrachter*in, einfach das Auslösen einer Emotion bei beiden, bei Künstlerin und Betrachter*in. Sobald etwas in Bewegung ist, stimmt mich das zufrieden – und Zufriedenheit ist eine eher seltene Emotion bei mir in Bezug auf Kunst. Ich bemerke gerade, Bewegung und Begegnung sind sehr eng verbunden, nicht nur im Wortstil.

Du arbeitest als Kunsttherapeutin, was ist die größte Herausforderung dabei?

Ich arbeite in einer Psychosomatischen Klinik. Dort kommen verschiedenste Menschen hin. Bemerkenswert ist, dass Menschen, sobald sie mit mir als Kunsttherapeutin in den ersten Kontakt kommen, immer den Satz verlauten lassen: „Ich kann aber nicht zeichnen!“ Sie bringen somit zum Ausdruck, dass sie von klein an in ihrem schöpferischen Ausdruck bewertet worden sind, darum auch Angst haben auch von mir in meiner therapeutischen Rolle bewertet zu werden. Ich begleite dann die Patienten dorthin, dass das, was sie zeichnen, malen oder tonen immer wertvoll ist, da diese Werke die entstehen Teile von ihnen sind die sie zeigen. Der Weg dorthin, das Annehmen von den Werken die entstehen, und somit das Eigene annehmen, in dem wie sie gerade bei mir sind, ist oft ein langer spannender Weg. Das Schönste für mich ist, wenn die Menschen, die zu mir in Therapie kommen, das Gefühl der Freiheit zur Kunst wieder finden, und somit wieder einen Teil ihrer Ressourcen gefunden haben. Ich bin der Überzeugung, dass der schöpferische Drang in jedem von uns steckt, nur wird dieser Drang oft viel zu früh mit einer Bewertung belastet.
Ich denke da an jemanden der in schwierigen Familienverhältnissen aufwächst und im Kunstunterrricht vielleicht nicht die Sonnenblume zeichnet, so wie die Pädagogin sich das vorstellt, vielleicht einfach nur hinkratzelt, weil er unbewusst zeigen will „mir geht es schlecht, ich will keine Sonnenblume zeichnen“, also im Widerstand ist. Derjenige bekommt dann eine schlechte Note und das Gefühl „so wie ich mich zeige ist nicht gut genug“ verstärkt sich und so wird dieses abwertende Gefühl abgespeichert.
Es wäre so schön, Menschen, bzw. Kinder, die in schwierigen Verhältnissen aufwachsen kunst- therapeutisch in Schulen zu begleiten, dass sie die Möglichkeit haben nonverbal zu zeigen wie es ihnen geht, weil Worte dafür zu finden oft zu schwierig ist.
In meiner Arbeit ist es dann wirklich sehr erfüllend, das Glück zu sehen, wenn Patienten ihre Freu- de am schöpferischen Ausdruck wieder finden.

Was bedeutet Kunst für dich? Wie wird Kunst im Salzkammergut vermittelt?

Kunst bedeutet für mich Freiheit. Die Freiheit mich mit meinem Innersten zu zeigen. Rigoros zu sein. Ein Theaterpädagoge hat zu mir im Zuge der Ausbildung einmal gesagt: „Don‘t think the audience is stupid.“ Egal wie ich mich zeige, ich werde gesehen, entweder bildnerisch oder in der Performance. Und so wie ich mich zeige eröffnet sich dem Publikum die Möglichkeit sich selbst zu sehen.

Kunst im Salzkammergut ist, finde ich, weit gefächert, von traditionell bis zeitgenössisch. Wobei sich der zeitgenössische Teil eher ruhiger verhält, eher im Hintergrund passiert. In den letzten 2 Jahren habe ich aber bemerkt, dass Veränderung passiert. Gerade vor 3 Wochen habe ich im Zuge der Präsentation der „20 Jahre Grundlseer Geigenmusi CD“ einige meiner Werke gemeinsam mit 2 anderen Künstlern (Sophie Rastl, Clemens Kranawetter) ausstellen können. Tradition und Moderne waren da mit- und nebeneinander präsent. Ein hervorragendes Beispiel ist für mich auch der Radiosender „Freies Radio Salzkammergut“, wo mein Mann eine Sendung macht. Bei diesem Sender erlebe ich ganz besonders das symbiotische Zusammenspiel von Jung und Alt, Tradition und Moderne.
Weil das eine das andere nicht ausschließt. Ich habe das Gefühl, das Salzkammergut ist ein Boden für Verbindendes. Ein Miteinander empfinde ich immer fruchtbarer als ein Gegeneinander.

Was sind deiner Meinung nach die größten Chancen, die mit dem Kulturhauptstadt-Titel verbunden sind?

Die größten Chancen sind sicher, dass dieser nahrhafte Boden gut gepflegt werden kann, dass Früchte und Bäume wachsen die noch nie jemand gesehen hat. Internationale Bekanntheit sowie auch internationales Publikum können hier förderlich wirken. Ich empfinde Freude darüber, über unsere Grenzen hinaus zu denken und glaube auch, dass der Zusammenhalt innerhalb des Salzkammergutes gestärkt wird. Mir gefällt gerade der Gedanke recht gut, über Entfalten und Erweitern dann doch wieder Zusammenhalten.

10 Jahre später: wie sieht das Salzkammergut von 2034 idealerweise aus?

Idealerweise lebe ich noch… Die Landschaft ist erhalten geblieben, nicht zu viele Häuser und Hotels an den schönsten Orten gebaut. Es gibt Begegnung zwischen Politik und Kunst. Es gibt Geld für Kunst und Kultur und junge Künstler*innen werden unterstützt und gefördert. Es werden nicht nur Versprechungen gemacht sondern Künstler*innen werden in ihrem Tun ernst genommen, weil sie ein wichtiger Teil der Gesellschaft sind. Sie fangen den Geist der Zeit ein.