Eröffnungsvortrag von Johannes Jetschgo

Vom Traunsee hinaus in die Welt

Dieser Programmpunkt, eine plakativ gehaltene Open-Air-Ausstellung, barrierefrei im besten Sinn und in bester Lage der Traunseestadt Gmunden, ist aus ihrer ganz eigenen Logik entstanden.

Fünf Autostunden von hier habe ich vor einigen Jahren in Prag-Bubenec eine Neorenaissance-Villa besucht. Sie gehört heute zur Akademie der Wissenschaften. Und ich war im sogenannten „Traunseesalon“, der ebenerdig an der Ostseite liegt, unversehens umgeben von Wandmalereien, die ausnahmslos Motive und Landschaften aus der Umgebung Gmundens zeigen: von Traunkirchen bis zum Dampfschiff „Elisabeth“. Eine überraschende Begegnung, das Dokument von Nähe und Ferne, geschaffen in den 1870er Jahren, als Europa eine Globalisierung erlebt.

Einer, der diese Globalisierung mitgestaltet hat, auf dem Boden der Donaumonarchie, war Adalbert II Lanna. Er ist Bauherr der Villa in Prag, die eine Schwester hat, die Villa Lanna hier in Gmunden, beide Häuser errichtet kurz vor dem Jahr der Wiener Weltausstellung, das auch das Jahr des Börsekrachs wurde.

Eine faszinierende Brücke für mich, sodass ich mich nach Gesprächen mit General Hubertus Trauttenberg, dem Lanna-Nachfahren, und mit seiner Unterstützung entschlossen habe, eine TV -Dokumentation über die Lannas zu drehen.

Und so hat der publizistische Impuls eingesetzt. Die Kulturhauptstadt-Intendantin und die Stadt Gmunden haben das Thema für interessant befunden. Wichtige Fakten waren in der Dissertation von Katerina Zahrnhofer erarbeitet, und Jiri Kopacek mit seiner Agentur in Budweis hatte Lanna und seine Schauplätze in Tschechien bereits digital aufbereitet.

 

Die Familie Lanna ist ein Musterbeispiel für das Motto „Vom Traunsee hinaus in die Welt“. Auch wenn sie im 18. Jahrhundert von Ebensee aufgebrochen und im späten 19. Jahrhundert erst hierher nach Gmunden als Sommervillenresident zurückgekehrt ist. Ein Musterbeispiel, weil ihr Hintergrund anfangs das Salzgeschäft und ihre Erfolgsbasis das Transportwesen war. Der Schiffsbau.

Alles ging übers Wasser. Der Salzbergbau, die, salopp gesagt, cashcow der Habsburger durch Jahrhunderte, wurde zunächst nur über Wasserwege handelspolitisch lukrativ. Die Lannas verstanden sich auf den Floss- und Bootsbau. 1744 bereits beantragt ein Jakob Lahner (in den Taufmatrikeln änderte sich später die Schreibweise) „als Schiffer und Salzbinder“ die Aufnahme in die Budweiser Bürgerschaft. Sein Bruder war ebenfalls k.u.k. Schiffsmeister.

Erst Adalbert I allerdings wird in den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts zu jenem Pionier, der Handel und Infrastruktur in der Mitte Europas maßgeblich mitgestaltet. Ihm folgt in ambitionierter Familientradition sein Sohn Adalbert II, der als Großindustrieller und Mäzen das Unternehmen ausbaut und zahlreiche Kultureinrichtungen, darunter das Kunstgewerbemuseum in Prag mitbegründet.

 

Die Industrialisierung in Österreich in der Habsburgermonarchie des Biedermeier wird von einer neuen Unternehmergeneration getragen. War die Initiative zur Unternehmensgründung im Merkantilismus vor allem beim Staat, bei der Aristokratie und bei angeworbenen ausländischen Experten, so treten jetzt vor allem Bürgerliche lokaler Herkunft hervor.

Adalbert I sollte eigentlich in Prag Maschinenbau studieren. Er überwarf sich dort aber mit seinem Professor, Franz Josef Gerstner, dem Vater des Erbauers der Pferdebahn Linz-Budweis, kehrte in das väterliche Schiffbauunternehmen am Budweiser Moldauufer im damaligen Vierhöf zurück – die Gebäude liegen heute noch nahezu unverändert am linken Moldauufer – und lernte von Grund auf das Flösserhandwerk. Er überlebt 1824 als einziger einen Schiffbruch auf dem damals noch wilden Flusslauf und setzt sich daraufhin zur Lebensaufgabe, die Moldau schiffbar zu machen, also zu regulieren.

Das, was am Soleweg zwischen Ebensee und Bad Ischl an jenes „fatum triste“ erinnert, an eines von vielen Schiffs- und Bootsunglücken auf der Traun, ereignete sich immer wieder auch auf der Moldau.

Adalbert Lannas I Ehrgeiz zielt aber nicht allein auf die Zähmung dieses Stroms, sondern auf internationalen Handel. 1825 wagt er eine Floßfahrt über Prag hinaus und verschwindet. Er gilt als verschollen. Seine Mutter pilgert für den totgeglaubten Sohn nach Mariazell. Aber Adalbert taucht unverhofft wieder auf. Er hatte mit seiner Fahrt den Handelsweg über die Elbe, in die die Moldau nahe Melnik mündet, erschlossen und in Hamburg das Holz der Flosse an Reedereien verkauft.

Das war unerhört, denn allein auf der Moldau zählte man damals mehr als 100 Gefahrenstellen. Jedenfalls schwärmte man schon zu seinen Lebzeiten von Lannas „Moldau-Elbe-Odyssee“ und konsequenterweise hat ihm der Volksmund im Zuge dieser Mythisierung später den Titel „Admiral der Moldau“ verliehen. Böhmen lag (wie Shakespeare meinte) eben doch am Meer. Hamburg wurde zum Absatzmarkt für die brachliegenden südböhmischen Holzreserven der aristokratischen Grundbesitzer, vorneweg der Fürsten Schwarzenberg.

Diese hatten schon früher danach getrachtet, mit dem Bau des Schwemmkanals im Böhmerwald die kontinentale Wasserscheide zu überwinden und den Urwald am Kubany wirtschaftlich einzubinden. Jetzt öffnete sich die Perspektive, Holz nicht bloß in die Moldau, sondern tatsächlich in die Nordsee zu verfrachten. Der junge Lanna wurde als bürgerlicher Geschäftsmann für den Fürsten zum Partner auf Augenhöhe.

Nicht nur seine verwegenen Expeditionen begründeten seinen Ruf. Auch die Energie, sich früh unternehmerisch zu profilieren. Als 1829 der Salzhandel ein freies Gewerbe wurde, begann der eigentliche Aufstieg der Firma.

Lanna übernimmt bald die Finanzierung schwieriger Baulose der Pferdeeisenbahn zwischen Linz und Budweis und danach deren Betrieb. Der Stapelplatz, an dem er die Handelsware von der Schiene auf das Wasser setzte, existiert noch: Es ist das Gasthaus „Zum Grünen Ast“, heute an einem Nebenarm der Moldau in Budweis, die Endstation der Pferdeeisenbahn auf böhmischem Boden. Durch sein Engagement für die Pferdeeisenbahn lief der Warenverkehr der Pferdebahn Richtung Prag bald auf dem Wasserweg über die Firma Lanna.

In den Jahren 1832 bis 38 konnte Lanna das Volumen des Warenverkehrs auf der Moldau verdreifachen. Diese Leistungen blieben nicht unbemerkt. Nachdem Kaiser Ferdinand I mit seiner Gattin auf ihrer Reise nach Bad Teplitz 1835 Budweis besuchten und Lanna ihnen einen eindrucksvollen Empfang inszenierte, wurde er ausgezeichnet, weil er „Hunderten Schiffern, Hilfsarbeitern und Frachtführern Arbeit gab“.

Neben Salz und Holz wird Bier transportiert und bald auch Graphit aus südböhmischem Bergbau, den Lanna, wie ein Zeitzeuge sagt, zu einem „Artikel des Welthandels“ machte. Vor allem aber gelang es ihm, die vielen Zollschranken abzubauen. Adalbert I Lanna war konsequenterweise ab 1850 der erste Präsident der südböhmischen Handelskammer.

Als Bauunternehmer errichtete er in Rekordzeit von nur einem Jahr eine moderne Kettenbrücke über die Moldau. Einen Zwilling dieser Brücke kann man nahe Tabor besichtigen. Er baute den Hiberner Bahnhof in Prag (später „Masaryk-Bahnhof“), der heute nach wie vor Züge aus dem Ostteil des Landes aufnimmt. Unmittelbar gegenüber steht sein Stadtpalais, in das er 1857 aus Budweis übersiedelte, als sein unternehmerisches Engagement längst alle böhmischen Länder umfasste.

Lanna II setzte seine Aktivitäten im Eisenbahnbau fort. Er gestaltete damit jene Infrastruktur, die zum Motor der Industrialisierung wurde und die – wenn auch spät im europäischen Vergleich – Böhmen zum Industrieland Nummer 1 der Donaumonarchie werden ließ. Die Infrastruktur war die Voraussetzung zur Öffnung und zur Entwicklung der Standorte. Deshalb war es nur schlüssig, dass sich schon Adalbert Lanna I früh am Kohlebergbau und an der Eisenindustrie beteiligte. Die Bahntrassen sollten die Rohstofflager verbinden.

In Kladno wird 1847 mit Partnern die „Adalbert-Hütte“ gebaut und später die „Prager-Eisenindustrie-Gesellschaft“ gegründet, die bald an die Börse geht. Sein eigenes Tempo holt ihn allerdings ein. Denn die Eisenproduktion war technologisch noch nicht ausgereift. Das bringt ihm finanziell, vor allem aber prestigemäßig die schwerste Niederlage seiner Karriere. Und es wird zur Tragik seines Lebensabends.

Er sieht sich als Unternehmer kompromittiert und er ist zum Neustart in der Eisenproduktion gezwungen, deren Erfolg er aber nicht mehr erlebt. Der „vielseitig elastische Mann“, wie ihn ein früher Biograf nennt, der mit sozialem Gespür (er genoss höchste Anerkennung in seinem Konzern und als Bürger) die Industrialisierung Böhmens vorangetrieben hatte, stirbt an Herzversagen im Jänner 1866.

Wer heute nach Adalbert I sucht oder nach seinen Projekten, findet neben der Kettenbrücke und dem Geburtshaus in Budweis noch anderes: den inzwischen nach Originalplänen renovierten Masaryk-Bahnhof in Prag, große Teile der Uferverbauung in der tschechischen Hauptstadt, das renovierte Negrelli-Viadukt (geplant vom späteren Projektanten des Suezkanals Alois Negrelli), sein einstiges Prager Stadtpalais und die nach der Wende 1989 wiederaufgestellte Bronzestatue im Stadtpark von Budweis, mit der er 1879 geehrt wurde.

Sein Sohn, Adalbert II Lanna (1836–1909), ist stolz auf seinen Vater und auf das Adelsprädikat, das diesem spät noch zuerkannt wurde. Adalbert II setzt erfolgreich mit seinen Partnern die Firmenaktivitäten fort, darunter das größte Investitionsprojekt Böhmens bis zur Jahrhundertwende, das Schleusensystem an Moldau und Elbe. Er gehört von Jugend an zu jenem Großbürgertum der Monarchie, das sich Residenzen baute, auch um sich als Elite und der Aristokratie ebenbürtig zu präsentieren. Und er knüpft jetzt aktiv das Band ins Salzkammergut.

Als privater Bauherr hat Adalbert II kurz hintereinander die erwähnten zwei Villen errichtet, die standesgemäße Repräsentation ermöglichten und viel über die soziale und politische Lage Lannas verraten. Lanna hatte sich in Dresden von der Neorenaissance Gottfried Sempers inspirieren lassen und setzt dessen konservative Architektur als erster in den böhmischen Ländern in die Praxis um im damaligen Prager Vorort Bubenec. Und hier in Gmunden am sogenannten Michellehen mit den namhaftesten Ringstrassenarchitekten.

Adalbert Lanna II war ein kaisertreuer böhmischer Landespatriot alten Stils, mit Kontakten zur tschechischen wie zur deutschen Führungsschicht. In Zeiten immer aggressiverer nationalistischer Strömungen war das ein Balanceakt. Er förderte als Mäzen im großen Stil heimisches Kunstgewerbe. Er frönte einer Sammelleidenschaft im Sinne der englischen Arts-and-Crafts-Bewegung und wurde Mitbegründer des Kunstgewerbemuseums Prag.

Die verschiedenen Generationen Lanna stehen für die Entwicklung von Handel und Infrastruktur im 19. Jahrhundert. Sie stehen für die Verbindung des Salzkammerguts mit dem Kronland Böhmen und sie gehören zu jenen Pionieren der Industrialisierung, die heute in Tschechien großes Ansehen genießen.

Die kostbare Handelsware Salz geht jahrhundertelang ihren Weg übers Wasser. Genauso wie das Holz, das zum Befeuern der Sudpfannen und zum Bootsbau verwendet wurde. Das Boot, ob als Salzzille, Trauner oder Kobel oder „Moldauer Nackte“ (ohne Verdeck) bezeichnet, ist das Vehiculum schlechthin, das Transportmedium.

Dann aber, in der Biedermeierzeit, unter kräftigem Zutun Lannas, erlebt das Transportwesen einen Paradigmenwechsel – vom Schiff zur Schiene, vom Wasser zur Eisenbahn, der in epochaler Weise die Beschleunigung der Öffnung bewirkt. Gerstner hatte ja noch den Auftrag, einen Wasserweg nach Böhmen zu planen, aber er sagte, mit dem Blick nach England: Das macht keinen Sinn.

Dass er damit eine Entwicklung anstieß, die nicht krisenfrei war, wissen wir. Immerhin war nicht nur das Flössergewerbe, es waren auch die bis zu 150 Schiffbauwerkstätten an den Seen und der Traun betroffen. Das Museum Stadl Paura hat eine ausgezeichnete historische Fotografie einer solchen Werft zur Verfügung gestellt.

Und schließlich öffnete die Eisenbahn auch neue Energiequellen. Statt Holz vor Ort holte man nun die Ressource der Industrialisierung, die Kohle. Was in Böhmen passte, sollte auch im Kronland ob der Enns passen: Kohle aus dem Hausruck auf die Schiene zu setzen. Eine dramatische Veränderung. Denn: Fast drei Viertel der Salinenarbeiter waren ja nicht im Sudhaus, sondern im zuliefernden Forstdienst tätig, und der verliert nun seinen Stellenwert. Die Kohle aus dem Hausruck wird billiger verfügbar und ersetzt das Holz als Brennstoff in den Sudhäusern. 1871 wird obrigkeitlich angeordnet, die Sudpfannen in Ebensee auf Kohlebefeuerung umzustellen.

1877 nimmt die Kronprinz-Rudolf-Bahn von Attnang Puchheim bis Stainach-Irdning ihren Betrieb auf und legt damit eine neue Nord-Süd-Verkehrsachse durch das Salzkammergut, auch für den Kohletransport. Jetzt wird die Mehrheit der Salinenarbeiter, die jahrhundertelang im Forst beschäftigt waren, zum „Modernisierungsverlierer“.

1873 endeten die wirtschaftlich goldenen Gründerjahre mit dem „Schwarzen Freitag“ an der Börse. Das Ende der Konjunktur war schon vorher spürbar. Die Jugendarbeitslosigkeit im Salzkammergut war gestiegen. Noch im Jahr des Börsekrachs sucht man gegenzusteuern. Mit einer Schulgründung in Hallstatt, eine wirtschaftspolitische Maßnahme des k.u.k. Handelsministeriums. Federführend dabei war Reichsratspräsident Johann Freiherr von Chlumetzky, der die Region aus seiner Sommerfrische kannte.

Diese neue Schule war dem k.k. Österreichischen Museum für Kunst und Industrie unterstellt, dem heutigen MAK (Museum für angewandte Kunst). Man wollte die Kompetenz der Region in Holzbearbeitung nützen, um wenigstens die Souvenirproduktion ins Land zu holen. Bis dahin wurden die Andenken für den frühen Tourismus aus Italien importiert.

Und schnell wurde aus dem Instrument zur Krisenbewältigung ein vorzeigbarer Ausbildungsplatz: Seit 1878 holten die Hallstätter Fachschüler, die aus dem ganzen Salzkammergut kamen, regelmäßig Medaillen bei den Weltausstellungen in Paris oder St.Louis. Heute ist ein Absolvent der Schule Hallstatt übrigens Leiter des Industriedesigns an der Kunstuni Linz. Vom Traunsee hinaus in die Welt – dank einer Bildungsoffensive jener Zeit.

Daran wird sichtbar, dass Krisen immer auch Innovationen auslösen können. Eine Krise durch Innovation zu lösen, war im Salzkammergut kein neues Phänomen. Der Archetyp einer solchen Innovation war in der frühen Neuzeit wohl der Sulzstrehn, die Soleleitung. Daher hat er auch Platz in der Ausstellung.

Der Kahlschlag und Raubbau am Wald rund um Hallstatt hat Ende des 16. Jahrhunderts den Holznachschub für die Sudpfannen kollabieren lassen. Kaiser Rudolf II reagierte mit einer strikten Waldordnung und mit der Verlagerung des Sudhauses nach Ebensee. Die Innovation, die das erst möglich machte, war eine Soleleitung, die die Sole aus Hallstatt 40 km weit transportieren konnte, aus mehr als 13.000 Lärchenstämmen und ohne hydraulische Pumpen gefertigt. Eine Meisterleistung an Ingenieurtechnik und Konstruktion der frühen Neuzeit.

Dass Mitte des 19. Jahrhunderts die Saline ihre Alleinstellung an Industriebetriebe abgegeben hat, zuerst an Textil-, dann an die Papierproduzenten, hat den Exportradius der Region vergrößert. Die Baumwollspinnerei in Gmunden exportierte sogar nach Großbritannien. Das war eine offensive Öffnung hinaus in die Welt.

Von England kommt der Maschinenbauspezialist John Ruston, der hier die ersten Dampfschiffe baut und vom Stapel lässt und wenig später Fabriken in Prag und Wien errichtet und der Gründer der DDSG wird.

Der Gmundner Kurarzt und bald auch Stadtentwickler Franz Christian Feurstein investiert in den 1860er Jahren und baut die gleichnamige Papierfabrik an der Traun, die erste Keimzelle des heutigen delfort-Konzerns.

Und Steyrermühl nutzt in seinen Anfangsjahren die 1848 geschaffene Pressefreiheit zum eigenen Unternehmenserfolg. Das dazugehörige „Wiener Tagblatt“, in dem Kronprinz Rudolf im Pseudonym gegen das eigene Herrscherhaus anschrieb, war eines der fortschrittlich-liberalen Blätter. 

Die Öffnung braucht, wenn sie gelingen soll, zuerst die Öffnung im Kopf.

Wir können, wir sollten diese Erzählung in die Gegenwart fortschreiben. Ob wir zunächst das Ingenieurbüro von Stern und Hafferl nennen. Die beiden schaffen das erste moderne Verbundsystem zur Energieversorgung und werden die Pioniere der Elektrizitätsversorgung in Österreich, die eine Grundlage der wirtschaftlichen Lebensfähigkeit der Ersten Republik war. Oder eine der ersten Kaplanturbinen, wie sie im Kraftwerk Siebenbrunn installiert wurde, bevor sie die Wasserkraftnutzung der Flüsse weltweit revolutionierte. Oder – hier und heute – Linsinger Maschinenbau mit seiner Wasserstoffkompetenz und eben Frauscher, um wieder beim Bootsbau zu landen.

Die heute gemeinsam von der Stadt Gmunden und der Kulturhauptstadtleitung eröffnete Ausstellung setzt ein Schlaglicht auf diese Geschichte. Der Musealverein hat viel an Material gesammelt. Daher ist die Ausstellung an der Esplanade eigentlich ein Appetizer für die Schau des Kammerhof-Museums selbst. Diese Geschichte war kein Selbstläufer.

Mindestens so reizvoll wie die Recherche des Erfolgs ist die Recherche der Hemmnisse und Widerstände, der Finanzierungsschwierigkeiten und Engstirnigkeiten, mit denen ein Franz Josef Gerstner, ein Adalbert Lanna und andere Entrepreneure jener Zeit konfrontiert waren.

Es ist beeindruckend, wie alle diese Persönlichkeiten ihren Lokalpatriotismus mit Weltoffenheit verbinden, aber eben auch, wie viel Energie sie aufwenden mussten, um Aktionäre oder Politik zu überzeugen, oder wie gerade ein Adalbert Lanna am immer lauter werdenden Nationalismus seiner Zeit gelitten hat.

Ich finde, es ist ein schönes Zeichen, dass hier in Gmunden im Kulturhauptstadtjahr 2024, noch lange vor dem Kulturhauptstadtjahr 2028, am konkreten Projekt die Zusammenarbeit mit unseren Nachbarn in Budweis und Prag gelungen ist.

Der Autor der „punkig frechen Illustrationen“, wie er sie selber beschreibt, die die Panel-Ausstellung auf der Esplanade begleiten, ist Martin Novotny, Jahrgang 1991. Er hat Illustration und freie Grafik bei Prof. Mikolas Axmann an der Fakultät für Kunst und Design in Pilsen studiert. Seine Grafiken, sagt er, seien wie die „ungehobelten und verwilderten Freunde der alten, sorgfältigen Stiche und Fotografien.“ Er arbeitet mit Papierreliefdruck.

Die Collage der historischen Erzählungen mit ihren märchenhaften Kapitelüberschriften erinnert an die halb vergessenen berühmten Wege vom Süden in den Norden und wieder zurück. Die Geschichte der österreichisch-tschechischen Familie Lanna wurde zum Ariadnefaden.

Ich wünsche der Ausstellung und dem Kammerhof-Museum gute Resonanz.

© Salzkammergut 2024

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