Vision & Idee

Die Kulturhauptstadt Europas Bad Ischl Salzkammergut 2024

Der Titel „Kulturhauptstadt Europas“ wird seit 1985 an Städte und Regionen in Europa verliehen. Erstmals in der Geschichte findet sie 2024 in einer inneralpinen, ländlich geprägten Region statt. Die Bannerstadt Bad Ischl plus 22 weitere Gemeinden in Oberösterreich und der Steiermark entwickeln eine Kulturregion, die sich durch das Zusammenwirken von Kunst, Kultur, Wirtschaft und Tourismus neu erfindet.

Bad Ischl und dem Salzkammergut wurde der Titel „Kulturhauptstadt Europas 2024“ im November 2019 nach einem mehrstufigen Bewerbungsprozess verliehen. Gemeinsam mit Bad Ischl – Salzkammergut werden Tartu (Estland) und Bodø (Norwegen) die Kulturhauptstadt Europas 2024 ausrichten.

Aus dem Salz entstanden, durch das Salz reich geworden und mit dem Salz geht es in die Zukunft: KULTUR IST DAS NEUE SALZ. Das Salzkammergut bietet eine hohe Dichte an spannenden Geschichten, Orten und Menschen – eingebettet in eine eindrucksvolle Landschaft. Geprägt durch die Elemente Salz und Wasser entstand hier eine vielschichtige Region, in der vor 7.000 Jahren in Hallstatt die Geschichte des Salzabbaus begann. Eine Region, die durch die Sommerfrische Sehnsuchtsort für viele ist und die als historische Kulturlandschaft im inneren Salzkammergut zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt wurde. Der Titel Kulturhauptstadt Europas wird wichtige Themen unserer Region und Europas aufgreifen und neue Impulse für die Zukunft setzen. Lange Zeit haben Salz und Wasser die Region geprägt. Nun ist es Zeit, ein weiteres Element als wesentliches hinzuzufügen: Kultur – sie ist Motor für ein zukunftsfähiges Zusammenleben im Salzkammergut und weit darüber hinaus.

Die Programmlinien

Mit dem Projekt Kulturhauptstadt Europas Bad Ischl Salzkammergut 2024 wird die Vielfalt aus historisch verwurzelter und zeitgenössischer Kunst und Kultur vor den Vorhang geholt und international verbunden.

Macht und Tradition

Die Pflege der Tradition ist lebendig und stark im Salzkammergut. Sie umfasst einen breiten Spannungsbogen, der von Musik, Handwerk, Brauchtum, Theater, Literatur bis zur Wirtshauskultur reicht.

Um die Traditionen zu verstehen, bedarf es aber auch eines differenzierten Blickes, wie es zu dieser Entwicklung kam. Welche Machtverhältnisse haben diese Region geprägt? Salzabbau, Habsburger Herrschaft, leider auch der Nationalsozialismus. Sich erinnern heißt, Zukunft verantwortungsvoll gestalten.

Das genaue Verstehen von MACHT UND TRADITION hilft lokale und globale Identitäten anzuerkennen. Eine Spurensuche in unserer Region legt zugleich deren Entstehungsgeschichten und Verbindungen nach Europa frei.

Kultur im Fluss

Kultur unterliegt einem ständigen Wandel, sie entsteht aus gesellschaftlichen Prozessen, manchmal auch aus Protesten heraus.

Historisch hat die Arbeiter*innenkultur erste soziale Forderungen errungen und maßgeblich zu einer Absicherung des Arbeitslebens geführt. Berühmt-berüchtigt stellt sich heute noch die Stur- und Starrköpfigkeit der Salzkammergütler*innen dar. Aber der Hof, die Sommerfrischler, das jüdische Leben und sein Verschwinden durch den Nationalsozialismus haben die Kulturlandschaft geprägt. Kultur ist also ständig in Bewegung, verändert sich.

Produktives Hinterfragen, einen Raum für Diskurs und neue, unkonventionelle Kulturformen und Kunstformate zu ermöglichen, ist ein Grundprinzip für eine KULTUR IM FLUSS, die Erneuerungen zulässt und eine Region und ihre Gesellschaft in eine progressive Zukunft führen kann.

Sharing Salzkammergut

Der Tourismus, erwachsen aus der im 19. Jahrhundert gepflegten Sommerfrische in dieser so außergewöhnlichen Alpenregion, ist eine der wichtigsten Lebensadern des Salzkammergutes – Sehnsuchtsort vieler Reisender. Manche Orte spüren dies mehr als andere.

Wie in allen Regionen Europas sind jedoch die Nebenwirkungen nicht zu übersehen. Diese Programmlinie widmet sich der Ausgestaltung dieser Entwicklung. Wichtige Aspekte wie Overtourism, Verkehr, Kulturtourismus, Schutz der Natur, Begegnung zwischen Einheimischen und Reisenden werden thematisiert. 

SHARING SALZKAMMERGUT – Die Kunst des Reisens lotet die mannigfaltigen Herausforderungen, aber auch die Chancen für eine qualitätsvolle Weiterentwicklung des Tourismus aus und stellt überdies die Frage, wie sich der alpine Raum jenseits des Tourismus auch außerhalb der Sommer- und Wintermonate attraktiv gestalten lässt.

Globalokal- Building the New

Wie also eine alpine Region, deren Landschaft zu bewahren ist, die zum Sehnsuchtsort das ganze Jahr über werden sollte, auf die Zukunft vorbereiten? Die ländlich alpine Region so gestalten, dass das übliche Nord-Süd-Gefälle sich aufhebt, bestenfalls ergänzt, den Arbeitsmarkt anreichern mit kreativem Potenzial, dem Prinzip folgend „am Land leben und trotzdem vernetzt und global arbeiten“.

Das heißt, Mobilität und Digitalität ausbauen, Strategien entwickeln, um in manchen Regionen Landwirtschaft als Lebensgrundlage zu ermöglichen, räumliche Entwicklung mit vernünftiger Baukultur verbinden, Bildungs- und Kunsträume schaffen, Nachhaltigkeit anstreben trotz und mit touristischen Angeboten. 

GLOBALOKAL – BUILDING THE NEW ist das Motto. Es gilt, auf die Spannungsverhältnisse einzugehen zwischen den Generationen, zwischen dem, was für die einen Erholung und für die Natur belastend sein könnte, Zwischenräume zu erkennen, um kulturelle und kreative Vielfalt in der ländlichen alpinen Region Salzkammergut zu fördern und anzustreben, ein Leben für Jung und Alt attraktiv zu gestalten.

Worauf die Kulturhauptstadt Europas Bad Ischl Salzkammergut 2024 Wert legt

Wichtige Thematiken

Baukultur | Bildung | Digitalität | Erinnerungskultur | Gender | Handwerk | Industriekultur | Jüdische Kultur | Kulturtourismus | Kunst & Kultur als Standortfaktor | Landflucht | Landwirtschaft | Migration | Mobilität | Nachhaltigkeit | Next Generation | Ökologie | Regionalentwicklung |

Sorgsamkeit & Nachhaltigkeit

Das Salzkammergut ist die erste ländlich alpine Region, die diesen Titel trägt – das bringt große Chancen, aber auch Verantwortung mit sich. Eine Tourismusregion muss achtsam mit den vorhandenen Ressourcen umgehen, als Green European Capital of Culture wird die grüne Kulturhauptstadt Europas ihr Handeln danach orientieren.

Chance der Vielfalt

Die Tradition im Dialog mit neuen kulturellen Bewegungen, der Tourismus in Einklang mit Natur und Kultur, Nachhaltigkeit und Weiterentwicklung der Region als neue Landurbanität betrachten – für Jung und Alt. Künstlerische Interventionen, der Blick zurück und nach vorne im Diskurs mit aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen sollen aufrütteln und Perspektiven aufzeigen. Die Kulturhauptstadt Europas 2024 sucht den Mut zur Differenz und versteht Ästhetik als Kompass zu unterscheiden.

Reflexion des Miteinanders

Die Kulturhauptstadt dient dazu, die brennenden Fragen unserer Zeit zu stellen: Wie leben wir als Gesellschaft hier im alpinen ländlichen Raum, wie wollen wir in Zukunft leben? Wie verstehen wir uns in Europa und in der Welt? Welchen Beitrag wollen wir zu einem gemeinsamen Europa leisten? Wie gelingt es, Kunst und Kultur als wesentlichen Standortfaktor für die Entwicklung einer Region zu leben? 

Die Vielfalt der Kultur und eine Kultur der Vielfalt ist eine Chance, um international, transnational, miteinander sich diese eine Welt zu teilen.

Fakten

Die Kulturhauptstadt-Region bilden 23 Gemeinden in den Bundesländern Oberösterreich und Steiermark:
Oberösterreich: Bannerstadt Bad Ischl, Altmünster, Bad Goisern, Ebensee am Traunsee, Gmunden, Gosau, Grünau im Almtal, Hallstatt, Kirchham, Laakirchen, Obertraun, Pettenbach im Almtal, Roitham am Traunfall, St. Konrad, Scharnstein, Steinbach am Attersee, Traunkirchen, Unterach am Attersee, Vorchdorf
Steiermark: Altaussee, Bad Aussee, Bad Mitterndorf, Grundlsee

Der Aufsichtsrat – bestehend aus 14 Personen – wurde im August 2020 konstituiert, Aufsichtsratsvorsitzender ist Hannes Heide.

Insgesamt gibt es neun Eigentümer*innen der Kulturhauptstadt Bad Ischl – Salzkammergut 2024 GmbH. Sie bilden gemeinsam auch die Generalversammlung:
Stadtgemeinde Bad Ischl / Stadtgemeinde Gmunden / Regionalentwicklungsverein Traunsteinregion Regionalentwicklungsverein Inneres Salzkammergut – REGIS / Regionalverein Ausseerland Tourismusverband Bad Ischl / Tourismusverband Inneres Salzkammergut / Kulturvision Salzkammergut / Wirtschaftskammer OÖ

Das Regionalforum als beratendes Organ wurde im Oktober 2020 gegründet. Die 30 Mitglieder unterstützen beratend, ihr Netzwerk liefert Informationen aus der Region, sie sind ein Sprachrohr für die Anliegen der Kulturhauptstadt Bad Ischl – Salzkammergut 2024 GmbH.